Direkt-Antwort: Für eine finanzielle Unterstützung Israels durch Starbucks gibt es keinen Beleg. Das Unternehmen nennt solche Gerüchte „eindeutig falsch“ und betreibt seit 2003 keine Filialen in Israel. Der Boykott seit Oktober 2023 geht auf einen Rechtsstreit mit der Gewerkschaft Starbucks Workers United zurück, nicht auf Spenden oder Geschäfte in Israel.
Stand: 6. Oktober 2026. Dieser Ratgeber ordnet ein, er ruft weder zum Boykott auf noch rät er davon ab. Jede Angabe stammt aus einer genannten Quelle: der Erklärung von Starbucks, Gerichtsberichten, Quartalszahlen und Medienberichten. Wo etwas nicht belegt ist, steht das dabei.
1. Unterstützt Starbucks Israel?
Nein, dafür gibt es keinen Beleg. Starbucks erklärt, weder das Unternehmen noch der frühere Chef Howard Schultz unterstütze die israelische Regierung oder die israelische Armee finanziell. Der Faktencheck-Dienst Snopes stuft die Behauptung, Starbucks spende an die israelische Armee, als falsch ein.
Starbucks ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft. Das Unternehmen verweist darauf, dass es seine Unternehmensspenden jedes Jahr offenlegen muss. Eine Zahlung an den israelischen Staat oder das Militär taucht dort nicht auf.
Was sagt Starbucks selbst zu den Vorwürfen?
Starbucks hat eine eigene Erklärung mit dem Titel „Facts About Starbucks Middle East“ veröffentlicht. Sie stammt ursprünglich aus dem Jahr 2010 und wurde im Oktober 2023 aktualisiert. Die Kernaussagen:
- Keine Finanzhilfe: Gerüchte über Geld für die israelische Regierung oder Armee seien „eindeutig falsch“.
- Keine Gewinne für Israel: Starbucks habe nie Gewinne an die israelische Regierung oder Armee überwiesen.
- Unpolitisch: Starbucks bezeichnet sich als „unpolitische Organisation“.
- Präsenz in der Region: Starbucks nennt über 1.900 Filialen in 11 Märkten im Nahen Osten und Nordafrika mit mehr als 19.000 Beschäftigten.
Was ist belegt und was nicht?
Im Netz kursieren mehrere Behauptungen. Die Tabelle zeigt, was die Quellen hergeben:
| Behauptung | Einordnung | Quelle |
|---|---|---|
| Starbucks spendet an die israelische Armee | Nicht belegt, von Starbucks bestritten, von Snopes als falsch bewertet | Starbucks-Erklärung (Oktober 2023), Snopes |
| Starbucks betreibt Filialen in Israel | Falsch, alle sechs Filialen schlossen 2003 | Snopes, Starbucks-Erklärung |
| Starbucks verließ Israel aus politischen Gründen | Von Starbucks bestritten, genannt werden geschäftliche Gründe | Starbucks-Erklärung, Snopes |
| Starbucks hat seine Gewerkschaft wegen eines Palästina-Beitrags verklagt | Richtig, die Klage betrifft das Markenrecht | Nation's Restaurant News, TIME |
| Starbucks steht auf der Boykottliste von BDS | Falsch, laut TIME war Starbucks nie ein BDS-Ziel | TIME (Februar 2024) |
| Der Boykott hat Starbucks Umsatz gekostet | Im Nahen Osten vom Unternehmen bestätigt, die Höhe ist nicht beziffert | Quartalskonferenz Januar 2024 |
2. Warum wird Starbucks boykottiert?
Auslöser des Starbucks-Boykotts war ein Streit mit der eigenen Gewerkschaft. Am 9. Oktober 2023 veröffentlichte Starbucks Workers United auf der Plattform X den Beitrag „Solidarity with Palestine!“. Starbucks distanzierte sich und klagte gegen die Gewerkschaft. Viele werteten das als Parteinahme gegen Palästina.
Das ist die kurze Erklärung. Der Vorwurf lautet also nicht, dass Starbucks Geld nach Israel schickt. Kritisiert wird, wie das Unternehmen mit einer propalästinensischen Äußerung seiner Beschäftigten umging. Das Magazin TIME schrieb im Februar 2024, die Boykottaufrufe gingen „in erster Linie“ auf diesen Streit zurück.
Was stand in dem Beitrag der Gewerkschaft?
Der Beitrag erschien zwei Tage nach dem Angriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023. Er zeigte laut dem Fachblatt Nation's Restaurant News ein Bild mit dem Schriftzug „Solidarity with Palestine“. Nach rund 30 bis 40 Minuten wurde er gelöscht. Die Gewerkschaft erklärte später, der Beitrag sei von ihrer Führung nicht autorisiert gewesen.
Warum hat Starbucks die Gewerkschaft verklagt?
Starbucks klagte wegen einer Verletzung seiner Markenrechte. Die Gewerkschaft nutzt den Namen „Starbucks Workers United“ und ein Logo, das dem Starbucks-Logo ähnelt. Starbucks argumentierte, die Öffentlichkeit schreibe die Positionen der Gewerkschaft deshalb fälschlich dem Unternehmen zu.
Die Klage ging Mitte Oktober 2023 bei einem Bundesgericht im US-Bundesstaat Iowa ein. Die Gewerkschaft klagte ihrerseits in Pennsylvania. Sie wollte Namen und Logo behalten und warf Starbucks Verleumdung vor, weil das Unternehmen ihr Nähe zu Gewalt unterstellt habe.
3. Gibt es Starbucks in Israel?
Nein. Starbucks betreibt seit April 2003 keine Filialen in Israel. Die Kette war im August 2001 gemeinsam mit dem israelischen Konzern Delek Group gestartet. Geplant waren deutlich mehr Standorte, am Ende gab es sechs. Nach weniger als zwei Jahren schlossen alle.
Starbucks nennt als Grund „anhaltende operative Herausforderungen“ in diesem Markt und bestreitet politische Motive. Snopes kommt zum selben Ergebnis: Die sechs Filialen liefen schlecht, der Markt war bereits gesättigt, und die Zusammenarbeit mit dem Partner war schwierig.
Die Behauptung, Starbucks sei „in Israel tätig“, ist also seit über 20 Jahren überholt. Sie steht trotzdem in mehreren deutschen Ratgebern zum Thema. Im Nahen Osten ist Starbucks dagegen stark vertreten, nur eben in arabischen Ländern und der Türkei.
4. Welche Rolle spielt Howard Schultz?
Howard Schultz hat Starbucks groß gemacht und war mehrfach Chef des Unternehmens. Heute führt er es nicht mehr. Viele Boykottaufrufe beziehen sich auf seine Person, nicht auf Entscheidungen des Konzerns.
Schultz hat sich öffentlich für enge Beziehungen zwischen den USA und Israel ausgesprochen. Laut Wikipedia erhielt er 1998 den „Israel 50th Anniversary Tribute Award“. Schon in den 2000er-Jahren kursierte außerdem ein Brief, in dem er angeblich Spenden an die israelische Armee ankündigte. Laut Wikipedia war dieser Brief eine Fälschung, deren Verfasser das selbst eingeräumt hat.
Wichtig ist die Trennung: Die private Haltung eines früheren Chefs ist keine Unternehmensspende. Starbucks schließt in seiner Erklärung beide Fälle aus, also Zahlungen des Unternehmens und Zahlungen von Schultz an Regierung oder Armee. Mehr zur Geschichte der Marke steht im Ratgeber Starbucks Logo und Name.
5. Steht Starbucks auf der Boykottliste von BDS?
Nein. BDS steht für „Boycott, Divestment and Sanctions“ und ist eine von Palästinensern geführte Kampagne. Laut TIME war Starbucks „nie ein Ziel von BDS“, weil das Unternehmen die Auswahlkriterien der Bewegung nicht erfüllte. Die Bewegung hat sich später aber hinter die Gewerkschaft gestellt.
Der Starbucks-Boykott ist deshalb ein Boykott von unten. Er verbreitete sich vor allem über soziale Medien und über Demonstrationen. TIME beschreibt etwa eine Kundgebung in New York im November 2023, bei der Sprechchöre gegen Starbucks zu hören waren.
Zum Vergleich: Bei McDonald's lag der Auslöser woanders. Dort hatte der israelische Franchisenehmer nach dem 7. Oktober 2023 kostenlose Mahlzeiten an Soldaten verteilt. Bei Starbucks gibt es keinen solchen Vorgang, schon weil es in Israel keine Filialen gibt.
6. Welche Auswirkungen hat der Boykott auf Starbucks?
Der Boykott hat Starbucks messbar getroffen, vor allem im Nahen Osten und in Südostasien. Das Unternehmen selbst sprach im Januar 2024 von einem „negativen Einfluss“ auf das Geschäft im Nahen Osten. Wie viel Umsatz genau verloren ging, hat Starbucks nie beziffert.
Die wichtigsten belegten Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge:
| Zeitpunkt | Ereignis | Quelle |
|---|---|---|
| 9. Oktober 2023 | Starbucks Workers United postet „Solidarity with Palestine!“ und löscht den Beitrag wieder | Nation's Restaurant News |
| Mitte Oktober 2023 | Starbucks und die Gewerkschaft verklagen sich gegenseitig | Nation's Restaurant News |
| Oktober 2023 | Starbucks aktualisiert seine Erklärung zum Nahen Osten | Starbucks |
| 30. Januar 2024 | Starbucks meldet Einbußen im Nahen Osten und senkt die Jahresprognose | Quartalskonferenz |
| März 2024 | Der Lizenzpartner Alshaya streicht rund 2.000 Stellen | CBS News, Reuters |
| Februar 2025 | Der malaysische Lizenznehmer Berjaya Food meldet den fünften Quartalsverlust in Folge | Fortune |
| Februar 2025 | Starbucks-Chef Brian Niccol bestätigt Einbußen durch den Boykott | Medienberichte über ein Bloomberg-Interview |
| 2. Oktober 2026 | Ein US-Bundesrichter lässt die Klage der Gewerkschaft zum Markenstreit zu | Reuters, zitiert von Hoodline |
Der damalige Starbucks-Chef Laxman Narasimhan sagte am 30. Januar 2024, die Ereignisse im Nahen Osten hätten auch in den USA Folgen gehabt, „getrieben von Fehlwahrnehmungen über unsere Position“. Starbucks senkte damals die Erwartung für das Wachstum der vergleichbaren Umsätze von 5 bis 7 Prozent auf 4 bis 6 Prozent.
Wie hoch ist der Verlust durch den Boykott?
Eine belastbare Gesamtsumme gibt es nicht. Belegt sind einzelne Zahlen von Lizenzpartnern:
- Alshaya Group: Der Betreiber von rund 1.900 Starbucks-Filialen im Nahen Osten und Nordafrika entließ im März 2024 etwa 2.000 Beschäftigte. Er begründete das mit „anhaltend schwierigen Handelsbedingungen“.
- Berjaya Food: Der Betreiber von Starbucks in Malaysia meldete für das Halbjahr bis Dezember 2024 einen Nettoverlust von 70,3 Millionen Ringgit.
- Börsenwert: Ende 2023 fiel der Börsenwert von Starbucks zeitweise um rund 11 Milliarden US-Dollar. Diese Zahl wird oft dem Boykott zugeschrieben. Belegt ist das nicht. Ein Börsenwert ist kein Umsatz, und für den Kursrückgang kommen mehrere Gründe infrage.
TIME zitierte im Februar 2024 Analysten, die den Anteil des Boykotts weder prüfen noch beziffern konnten. Als weitere Gründe für die schwachen Zahlen nannten sie die Konsumlaune in den USA und die Konjunktur in China.
7. Wie ist der Stand im Jahr 2026?
Der Streit ist nicht beendet. Am 2. Oktober 2026 lehnte der US-Bundesrichter Michael Baylson in Pennsylvania den Antrag von Starbucks ab, die Klage von Starbucks Workers United abzuweisen. Das berichtet das Portal Hoodline unter Berufung auf Reuters. Die Gewerkschaft will feststellen lassen, dass ihr Name und ihr Logo keine Markenrechte verletzen.
Dazwischen lag eine Annäherung. Im Jahr 2024 einigten sich beide Seiten auf eine Absichtserklärung. Im Jahr 2025 zogen sie ihre Klagen zurück. Die Tarifverhandlungen stockten jedoch. Die Gewerkschaft reichte ihre Klage im April 2026 neu ein, Starbucks folgte am 18. Juni 2026 in Iowa.
Parallel läuft ein zweiter Boykott, der mit Israel nichts zu tun hat. Starbucks Workers United rief am 25. August 2026 dazu auf, Starbucks zu meiden, bis ein Tarifvertrag steht. Laut dem Magazin Labor Notes vertritt die Gewerkschaft rund 12.000 Baristas. Wer heute „Starbucks Boykott“ liest, sollte also prüfen, welcher gemeint ist.
8. Was bedeutet das für Starbucks in Deutschland?
Für deutsche Filialen ändert sich im Alltag nichts. Sie werden von einem Lizenznehmer betrieben, nicht vom US-Konzern selbst. Seit April 2016 ist das AmRest Coffee Deutschland, eine Tochter der Restaurantgruppe AmRest. Belastbare Zahlen zu einem Umsatzrückgang durch den Boykott in Deutschland haben wir nicht gefunden.
Boykottaufrufe gab es auch hier. Die Amadeu Antonio Stiftung dokumentiert in ihrer Chronik eine Demonstration in München am 15. Juni 2024, bei der per Lautsprecher zum Starbucks-Boykott aufgerufen wurde. Die Stiftung beschreibt die Kundgebung als antiisraelische Demonstration und weist selbst darauf hin, dass Starbucks keine Filialen in Israel hat.
Ob du bei Starbucks einkaufst, entscheidest du selbst. Für diese Entscheidung zählt, was belegt ist: der Rechtsstreit mit der Gewerkschaft ja, Zahlungen an Israel nein. Wie viele Filialen es hierzulande gibt und wer sie betreibt, zeigt der Ratgeber Starbucks Filialen in Deutschland. Die aktuelle Karte findest du bei den Starbucks Preisen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was hat Starbucks mit Israel zu tun?
Sehr wenig. Starbucks betrieb von 2001 bis 2003 sechs Filialen in Israel und hat sich dann zurückgezogen. Heute gibt es dort keine Starbucks-Filiale. Die Verbindung im Netz entsteht vor allem über den früheren Chef Howard Schultz und über den Rechtsstreit mit der Gewerkschaft.
Spendet Starbucks Geld an Israel?
Dafür gibt es keinen Beleg. Starbucks nennt Gerüchte über Zahlungen an die israelische Regierung oder Armee „eindeutig falsch“. Der Faktencheck-Dienst Snopes bewertet die Behauptung ebenfalls als falsch.
Warum hat Starbucks Israel verlassen?
Starbucks nennt geschäftliche Gründe. Die sechs Filialen liefen laut Snopes schlecht, der Markt war gesättigt und die Partnerschaft mit der Delek Group schwierig. Politische Motive bestreitet das Unternehmen.
Steht Starbucks auf der BDS-Liste?
Nein. Laut dem Magazin TIME war Starbucks nie ein Ziel der BDS-Bewegung, weil das Unternehmen deren Auswahlkriterien nicht erfüllte. Der Boykott entstand unabhängig davon in sozialen Medien.
Wer ist Starbucks Workers United?
Starbucks Workers United ist die Gewerkschaft der Starbucks-Baristas in den USA. Sie organisiert seit Dezember 2021 Filialen und vertritt laut Labor Notes rund 12.000 Beschäftigte. Einen Tarifvertrag gibt es bis heute nicht.
Hat Starbucks sich zum Gaza-Krieg geäußert?
Starbucks hat keine Seite ergriffen. Das Unternehmen bezeichnet sich als unpolitisch und verurteilte nach eigener Aussage Gewalt gegen Unschuldige, Hass und Hetze. Im Oktober 2023 aktualisierte es seine Erklärung zum Nahen Osten.
Wie viele Stellen hat der Boykott gekostet?
Belegt sind rund 2.000 gestrichene Stellen beim Lizenzpartner Alshaya Group im März 2024. Alshaya betreibt Starbucks im Nahen Osten und in Nordafrika. Das Unternehmen nannte schwierige Handelsbedingungen als Grund.
Hat Starbucks durch den Boykott 11 Milliarden Dollar verloren?
Das ist nicht belegt. Der Börsenwert sank Ende 2023 zeitweise um etwa diesen Betrag. Ein Börsenwert ist aber kein Umsatz, und für den Kursrückgang gab es mehrere Gründe.
Gehört Starbucks Howard Schultz?
Nein. Starbucks ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit vielen Aktionären. Howard Schultz hat das Unternehmen geprägt und lange geführt, leitet es aber nicht mehr.
Ist der Starbucks-Boykott 2026 noch aktiv?
Ja, in zwei Formen. Aufrufe aus propalästinensischen Kreisen kursieren weiter. Dazu kommt seit dem 25. August 2026 ein Boykottaufruf der Gewerkschaft, bei dem es um einen Tarifvertrag geht.
Sind deutsche Starbucks-Filialen vom Boykott betroffen?
Dazu gibt es keine belastbaren Zahlen. Die deutschen Filialen betreibt der Lizenznehmer AmRest Coffee Deutschland. Boykottaufrufe gab es vereinzelt auch in Deutschland, etwa bei einer Demonstration in München im Juni 2024.
Welche Länder im Nahen Osten haben Starbucks?
Starbucks nennt elf Märkte: Bahrain, Ägypten, Jordanien, Kuwait, Libanon, Marokko, Oman, Katar, Saudi-Arabien, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Betreiber ist überall die Alshaya Group aus Kuwait.
